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Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand digitalisiert ihre Archivbestände

  • Eingesetzte(s) Produkt(e)
    LuraTech JP2 Image Content Server
  • Branche
    Kulturelle Institutionen


Kompressionsstandard
Gute Software kommt aus Deutschland. Die in Berlin ansässige LuraTech GmbH ist ein führendes Unternehmen in der Entwicklung von Kompressionsverfahren (Verkleinerung der Datenmenge) für Bilder, Daten und Dokumente sowie JPEG 2000-Implementierungen. Das Bildformat JPEG 2000 wurde im Januar 2001 von der ISO-Arbeitsgruppe als internationaler Standard verabschiedet. JPEG 2000 ermöglicht durch den Einsatz des so genannten Wavelet-Verfahrens (spezielle mathematische Berechnung und Transformation von Bilddaten) eine höhere Datenkompression von digitalen Bildern. Entscheidend ist hierbei, dass trotz der Verringerung der Datenmenge eine deutlich bessere Bildqualität als bei herkömmlichen Formaten wie GIF oder JPEG erzielt werden kann.

Für LuraTech sind zehnjährige Forschungserfahrung im Bereich Wavelet-basierter Datenkompression und angewandte Engineering-Kompetenz die Basis zur Entwicklung ihrer Kompressionssoftware LuraTech JP2 Image Content Server. Mit der Hochleistungssoftware von LuraTech können selbst farbig gescannte Dokumente komprimiert werden, die sowohl Text- als auch Bildelemente enthalten. Die Produktinnovationen entstanden in enger Zusammenarbeit mit Universitäten sowie Forschungseinrichtungen und werden ständig weiter entwickelt und optimiert.

Gemeinsam mit der ebenfalls in Berlin ansässigen minuskel screen partner GmbH konnte in den vergangenen Jahren für die Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW) ein multimediales Informationssystem realisiert werden, das einmal die gesamten Datenbestände der GDW umfassen wird. Der LuraTech JP2 Image Content Server ist in dieses von minuskel entwickelte Digitale Archivierungs- und Wissens-Management System „DARWIM“ erfolgreich integriert worden und ermöglicht mit seinen optimalen Kompressionsergebnissen erst die erfolgreiche Umsetzung dieses ambitionierten Projektes.

minuskel screen partner, im März 1995 als Druckvorstufenbetrieb gegründet, beschäftigt sich seit längerem mit der digitalen Aufbereitung aller Daten und Medien für Multimedia, Internet, Content Management Systeme sowie komplexe Datenbanken in Bereichen des Wissensmanagements. Die Kooperation von LuraTech und minsukel screen Partner wird zukünftig in eine noch engere Zusammenarbeit der beiden innovativen Unternehmen überführt.

„Mit dem LuraTech JP2 Image Content Server ist eine hervorragende Bildqualität bei sehr kleinen Datenmengen erzielbar. Dadurch ist weniger Speicherplatzbedarf nötig und ein schnellerer Datenversand möglich. Somit ist der LuraTech JP2 Image Content Server speziell für den Einsatz in modernen internetbasierten Grafik- sowie Datenbank-Anwendungen und für komplexe digitale Archivlösungen geeignet, wie wir sie für die GDW entwickelt haben“, so Carsten Heiermann, Geschäftsführer der LuraTech GmbH.

Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand (GDW)
Die GDW ist ein Ort der Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Im Innenhof des ehemaligen Allgemeinen Heeresamtes wurden in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 vier der am Umsturzversuch beteiligten Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg erschossen. Stauffenberg, damaliger Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres, hatte im Führerhauptquartier in Rastenburg / Ostpreußen das fehlgeschlagene Attentat auf Hitler verübt.

1953 ist auf Initiative der Hinterbliebenen der Grundstein für ein Ehrenmal im Innenhof des Gebäudes gelegt worden. Doch erst mehr als drei Jahrzehnte später konnte die Gedenkstätte mit der Ausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ offiziell eröffnet werden. Die zentrale Aufgabe der Institution ist es seitdem, die Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Geschichte durch Ausstellungen, Publikationen, Bildungsveranstaltungen und Forschungsprojekte zu fördern.

Dazu gehört auch das Sammeln aller für diese Zeit relevanten Daten und Bilder. Noch vor zwei Jahren gab es für die mehr als 50.000 Dokumente und Fotos umfassende Sammlung noch keine professionelle digitale Lösung. Nur die Mitarbeiter, die aktiv die umfangreichen Bestände betreuen, konnten mit ihrem Wissen und Erinnerungsvermögen den Überblick bewahren. Das hatte zur Folge, dass Anfragen von außen erst aufwändig recherchiert werden mussten.

Umfassendes Informationssystem gesucht
Die GDW benötigte dringend eine Datenbank-Lösung, in der alle Bilder und Dokumente systematisch registriert, eingepflegt und mit beliebigen anderen Medien verknüpft werden konnten. Dies war insbesondere auch deshalb erforderlich, weil sich die Mitarbeiter vor die scheinbar schier unlösbare Aufgabe gestellt sahen, ihre Sammlungen zum Widerstand der Nachwelt zu erhalten. Denn die Qualität von Papierblättern und Fotos wird bekanntlich mit den Jahren immer schlechter. Und nicht zuletzt gehört es zur Hauptaufgabe der GDW, die vorhandenen Dokumente und Reproduktionen als historische Quellen für ihre Arbeit zu nutzen. Dafür ist es nötig, dass sowohl die Wissenschaftler als auch die Besucher der Ausstellung ungehindert und verzögerungsfrei auf die Informationen, Bilder und Dokumente zugreifen können.

Das von minuskel screen partner konzipierte digitale Archivierungs- und Wissensmanagement- System DARWIM wurde zusammen mit LuraTech und der GDW zu einem multimedialen Informationssystem weiterentwickelt, das diesen Anforderungen gerecht wird. Die Mitarbeiter der GDW konnten bereits über 18.000 Datensätze in das „Informationssystem Widerstand“ (ISW) einpflegen und mit Bildern hinterlegen. Dieser zeitintensive Eingabeprozess wird auch noch einige Jahre dauern. Die Dokumente und Bilder werden zunächst auf herkömmliche Weise gescannt, mit der vorhandenen Systematik registriert und kontrolliert. Über einen automatischen Prozess führt das System die Dokumente anschließend mit den vorhandenen Daten im ISW zusammen und legt sie mit der komprimierten LuraTech JP2 Image Content Server Ansicht ab. Auf CD wird lediglich das unkomprimierte „digitale Original“ gesichert – bereits 1 TByte Daten sind auf CD abgelegt worden und ein Ende dieses Prozesses ist noch nicht abzusehen. Würde diese Datenmenge hingegen im System gespeichert sein, würden allein die enormen Ladezeiten der Dateien ein effektives Arbeiten mit den Dokumenten verhindern. Die frühe Entscheidung für die Bilddaten-Kompressionssoftware LuraTech JP2 Image Content Server hat sich bewährt.

„Wir besitzen eine in Deutschland einzigartige Sammlung zum Thema‚ Widerstand gegen den Nationalsozialismus", die unzählige Bilder und Dokumente umfasst. Um diese auch für die Nachwelt zu bewahren und unseren Bestand übersichtlich und zugleich zeitgemäß zu archivieren, müssen wir sie digitalisieren. Anschließend pflegen wir sie in unser digitales Informationssystem ein. Dort stehen sie nicht nur uns intern zur Verfügung, sondern sind in Sonderpräsentationen auch für Besucher der Gedenkstätte einsehbar. Da ist es natürlich wichtig, dass Fotos und Texte in einer exzellenten Qualität abgebildet sind und zugleich der Datentransfer sowie die Ladezeiten innerhalb des Systems schnell funktionieren. Schließlich sollen von den digitalisierten Dokumenten aus der Datenbank heraus wieder hochwertige Reproduktionen angefertigt werden können. Auf der Suche nach einer modernen, digitalen Lösung wurde uns bereits 1999 die LuraTech GmbH von minuskel screen partner empfohlen. Deren innovative Kompressionssoftware LuraTech JP2 Image Content Server ist ein hochprofessionelles Verfahren für die farbige Archivierung von gescannten Dokumenten, die sowohl Text- als auch Bild-Elemente enthalten“, so Dr. Johannes Tuchel, Leiter der GDW.

Professionelle Digitalisierung – aber wie?
Im sogenannten „Multi-Layer-Verfahren“ werden Text-, Bild- und Hintergrundbestandteile segmentiert und getrennt voneinander mit jeweils optimalen Algorithmen (spezieller Rechenvorgang) komprimiert. Die Gesamtdatenmenge wird dadurch entscheidend verringert und hochaufgelöste Scans können verwendet werden, so dass eine hohe Reproduktionsqualität der Dokumente und Bilder bis zum Format DIN A3 garantiert ist.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass mit dem LuraTech JP2 Image Content Server im Vergleich zu anderen Komprimierungsverfahren kaum Artefakte (Fehler im komprimierten Bild) entstehen. Darüber hinaus ermöglicht diese Software-Lösung von LuraTech das Trennen von bitonalen Elementen (zweifarbig). So kann z. B. bei einer völlig verblichenen Prozessakte, die im Original kaum noch zu entziffern ist, nach der Kompression mit LuraTech JP2 Image Content Server der Hintergrund ausgeblendet werden. Es bleiben nur noch die Schwarz-Weiß-Elemente übrig und die Schrift ist wieder lesbar: „Durch den Effekt der Separation – der Trennung von Hintergrund, Text und Bildinformation – sind die Dokumente lesbarer als das Original“, so Dr. Johannes Tuchel.

Schließlich können mit Hilfe der Zoomfunktion des LuraTech-Viewers einzelne Bild und Dokumentenausschnitte deutlich vergrößert werden, die im Original schwer zu erkennen waren.

Nur das reine Archivieren der Dokumente liefert noch keine wissenschaftlichen Informationen. Wissen über Menschen und geschichtliche Ereignisse entsteht erst, wenn Daten in Zusammenhang gebracht werden können – eine Aufgabe, die eine einfache Datenbank nicht leisten kann. Die minuskel screen partner GmbH und die GDW haben mit dem „Informationssystem Widerstand“ eine perfekte Lösung für das Sammeln und Finden von Informationen über Personen, Dokumente, Themen und Ereignisse der Zeitgeschichte entwickelt.

„DARWIM und damit auch das „Informationssystem Widerstand“ ermöglichen es, Daten und Einzelinformationen so zu erfassen und zu archivieren, dass sie durch kontextuelle Verknüpfungen in ein verdichtetes, auch vom Publikum abrufbares Wissen überführt werden können. Aus Einzelinformationen entsteht so vernetztes Wissen. Ganz gleich, ob es sich dabei um Texte, katalogisierte Objekte, wissenschaftliche Literatur, Personendaten oder um Fotos, Tonbänder, Bilddateien und Videos handelt – diese multimediale Datenbank-Lösung eröffnet der Forschung ganz neue Möglichkeiten“, so Dr. Karsten Trint, Senior IT-Consultant bei minuskel.

Mit der bedienerfreundlichen Benutzeroberfläche des „Informationssystems Widerstand“ werden dem Benutzer am Terminal zwei unterschiedliche Herangehensweisen für die Erschließung von Informationen angeboten.

Die Menüleiste am oberen Rand des Screens erlaubt den Zugang zu den verschiedenen Kategorien (Personen, Dokumente, Themen, Prozessdaten, Literatur, Ausstellung und Medien). Interessiert der Anwender sich beispielsweise für eine bestimmte Person, findet er in einer übersichtlichen Karteikarten-Ansicht sofort die wichtigsten Daten. Hier werden die biografische Daten (Kurzbiografie, Werdegang, Nationalität, Mitgliedschaften etc.), politische Aktivitäten und Meilensteine des Lebenslaufs notiert.

Im Ordner „Dokumente/Fotos“ können alle mit dieser Person verknüpften Fotos und Dokumente eingesehen werden. Klickt der Besucher auf „Medien“, so findet er hier Video- und Audiodateien zu der betreffenden Person. Im „Texte“-Bereich lassen sich viele verschiedene Texte zum Thema abspeichern, die den Mitarbeitern und Besuchern anschließend zur Verfügung stehen.

Eine zweite Navigation entlang des Kontextblocks auf der rechten Seite ermöglicht das Abrufen von weiteren Informationen. Diese stehen ebenfalls in einem inhaltlichen Zusammenhang zum Suchthema und sind denselben Kategorien wie jenen der Menüleiste zugeordnet. Zusätzlich gibt es den Ordner „Themen“. Hier finden die Nutzer Veröffentlichungen oder Notizen zu übergeordneten Sachverhalten (z. B. „Die Weiße Rose“, „Rote Kapelle“, „Der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944“ etc.), die wiederum mit den Daten anderer Personen verknüpft sein können.

Wer also mit dem System arbeitet, kann sich jetzt völlig neue Einsichten und Inhalte erschließen – selbst wenn er keine großen Vorkenntnisse hat.

Ausblick
Mittlerweile existieren in der GDW für Besucher/innen acht externe Terminals, an denen einzelne aus dem „Informationssystem Widerstand“ entstandene Programme mit Dokumenten und Bildern schnell und einfach angeschaut werden können. Seit Herbst 2002 ist es auch Besucher/innen der Gedenkstätte Plötzensee möglich, auf eine ISW-basierte Applikation zuzugreifen. Hier steht der Öffentlichkeit ein Terminal zur Verfügung. Im digitalen Informationssystem „Totenbuch Plötzensee“ sind – soweit vorhanden – Biografien, Dokumente und Porträts der 2.891 in Plötzensee ermordeten Gefangenen einsehbar. Sobald neue Erkenntnisse im ISW eingespeichert werden, sind diese auch in Plötzensee durch ein einfaches Update verfügbar.

Seit zwei Monaten können die Mitarbeiter der GDW auch Audiodateien in das System einpflegen, die später von den Benutzern abgespielt werden können. Der erfolgreiche Einsatz der LuraTech JP2 Image Content Server-Software von LuraTech in die Datenbanklösung „Informationssystem Widerstand“ / DARWIM für die GDW ist ein zukunftsweisendes Beispiel einer innovativen sowie leistungsstarken Kompressionslösung für Bilder und Dokumente in einem komplexen Wissensmanagementsystem. Damit steht Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen oder privaten Institutionen zur Archivierung und Verknüpfung größerer Bild- und Textdatenmengen ein hervorragendes Arbeitsmittel zur Verfügung.

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